Bonitätsmanagement - Ein Muss für mittelgroße Unternehmen

Was ist Bonitätsmanagement?

Die zurückliegenden Jahre waren auch für den Mittelstand gekennzeichnet durch Bereinigung, Beschleunigung und Neuausrichtung, extern wie intern. So läuft u.a. in punkto Unternehmensfinanzierung ein steter Prozess weg von der klassischen Kreditfinanzierung hin zu einem differenzierten Angebot so genannter alternativer Finanzierungsformen.

Parallel hierzu hat sich eine Beurteilungssystematik fest etabliert, die die Kreditkonditionen an der Risikoeinstufung orientiert: Das Rating.

Bislang sind zwei Arten von Ratings beherrschend: die "internen Ratings" der einzelnen Bankengruppen sowie "externe Ratings" vonseiten diverser, mittlerweile auch auf den Mittelstand fokussierter Rating-Agenturen.

Interne Ratings werden Bank intern meist 1x-jährlich ohne Kosten für den kreditnehmenden Unternehmer erstellt. Letzterer erfährt die Gesamtnote und kann sich über die Folgen ärgern oder auch freuen; Handlungsempfehlungen kann er daraus für sein Unternehmen nicht ableiten.

Anders bei externen Ratings. Neben der Ermittlung der Kredit-Ausfallwahrscheinlichkeiten repräsentieren sie in aller Regel auch einen analytischen Wert für den Unternehmer, jedenfalls dann, wenn sie mehre Wirtschaftsjahre, am besten auch Planjahre, umfassen. Grundsätzlich muss der Unternehmer externe Ratings beauftragen; sie verursachen einmalige und i.d.R. laufende Aktualisierungs-Kosten.

Anlässe für die Erstellung von Ratings ergeben sich bis heute vorwiegend aus anstehenden Finanzierungsentscheidungen, also etwa bei Beantragung von Krediten oder der Suche von Beteiligungskapital. Künftig werden auch Anlässe wie strategische Unternehmensbeteiligung und Nachfolgeregelung Ratings erfordern. Lieferanten und Abnehmer werden verstärkt Ratings von ihren Geschäftspartnern verlangen und eine wachsende Anzahl von Unternehmen wird das eigene (gute) Rating schlicht als Imagefaktor aktiv "vermarkten".

Folgerung: Für die etwa 35.000 mittelgroßen Unternehmen ab etwa 6 Mio.€ Umsatz reicht künftig nicht mehr die passive Auseinandersetzung mit ihrer Bonität; es reicht nicht zu fragen "Wie werde ich von Banken und Externen bewertet?"

Vielmehr werden auch diese Unternehmen ihre Bonität (aktiv) managen müssen: Bonitätsmanagement ist die systematische Analyse aller die Bonität des Unternehmens beeinflussenden Abläufe und Einflussfaktoren, um daraus steuernde Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmenssituation abzuleiten.

Was bringt Bonitätsmanagement?

Praktiziertes Bonitätsmanagement bringt dem Unternehmen folgende Vorteile:

  • Etablieren und Sichern des Rating-Know-hows im Unternehmen
  • Verbessern der Verhandlungsposition ggü. Kreditgebern
  • Sichern der Finanzierung
  • Senken der Finanzierungskosten
  • Steigern der Erträge, verbessern der Bonität insgesamt
  • Reduzieren der Insolvenzgefahr
  • Verbessern der Wettbewerbsfähigkeit und des Images

Das Entscheidende aber ist: Der Unternehmer hält ein Analyse- und Steuerungs-Tool in der Hand, das es ihm ermöglicht, anstehende Unternehmens-Entscheidungen und deren Lösungsalternativen in ihrer Auswirkung auf Bonitäts-relevante Faktoren wie Ertrag, Finanzstruktur und Liquidität praktisch zu simulieren. Damit kann fürs Unternehmen objektiviert die "passendere Maßnahme" abgeleitet werden.

Im Kern ist Bonitätsmanagement also nichts Neues: Es ist die Erweiterung eines guten Controllings um eine systematische Kennzahlen-Analyse, die zusätzlich in eine objektivierende Benotung der Bonität als internes Rating einmündet.

Im Folgenden stellen wir ein einfach zu handhabendes, aussagekräftiges Analyse- und Bewertungstool für den Mittelstand dar; wir nennen es kurz und bündig "BM", abgeleitet aus BonitätsManagement.

BM - Das unternehmensinterne Analyse- und Ratingsystem

BM ist ein auf MS-EXCEL® basierendes Unternehmens internes Analyse- und Ratingsystem. Es liefert folgende Ergebnisse:

  • Quantitatives Rating der Analyse-Bereiche "Markt und Wettbewerb", "Management", "Ertragslage" und "Finanzlage". Die Darstellungen erfolgen jeweils tabellarisch und grafisch.

  • Qualitatives Rating (optional) relevanter Unternehmensaspekte, die abschließend zu den zuvor genannten Analyse-Bereichen verdichtet werden.

  • Darstellung von bis zu 6 Bilanz- und Planjahren (erweiterbar).

  • Hinweise auf auffällige Aspekte.

  • Konzentrieren wichtiger Unternehmens-Daten und -Kennzahlen in Analyse-Tableaus.

  • Entwicklung des Unternehmenswertes.

  • Veranschaulichte Bereinigung und Strukturierung von Bilanzen und GuV-en (Anhang).

  • Automatische Ableitung kapitalmarktüblicher Kennzahlentableaus mit den Rubriken "Vermögensstruktur", "Kapitalstruktur", "Finanzkraft", "Rentabilität" und "Liquidität" (Anhang).

  • Automatische Ableitung der Kapitalflussrechnungen/Cashflows (Anhang).

  • BM-Delta ermöglicht den unterjährigen Bonitäts-Soll/Ist-Abgleich im jeweils laufenden Geschäftsjahr.

BM - Was es will und was es nicht will

BM ...

- will dem anwendenden Unternehmen ein verständliches und intern zu handhabendes Instrumentarium zur qualifizierten Analyse und kapitalmarktorientierten Abbildung der Unternehmenssituation an Hand geben.

- will unternehmensinterne Analysen in banküblicher/externer Sicht fördern und so den Unternehmer zu einem besser gewappneten Gesprächspartner der Banken und Finanzpartner machen.

- wendet sich vornehmlich an die Zielgruppe mittelgroßer Unternehmen (ab etwa 6 Mio. € Umsatz und bis zu ca. 250 Mitarbeiter).

Diese Zielsetzung bedingt folgende System-Anforderungen:

  • Lesbarkeit und Darstellung der Ergebnisse folgen der Zielsetzung, maximale Information mit minimaler Detailliertheit zu erreichen; die komplexen Darstellungen kommen in die Anlage.
  • Bedingte Anpassbarkeit an betriebliche und branchenübliche Spezifika.
  • Die Edv-technische Bearbeitung muss "überall" möglich sein: MS-EXCEL®.
  • Die Algorithmen müssen nachvollziehbar und verständlich sein.
  • Spürbarer Bedienungskomfort und leicht trainierbare Handhabung müssen gegeben sein.

Dabei gilt immer: BM will und kann andere Ratings nicht ersetzen!

Wie alle Ratings hat auch BM subjektive Bewertungsanteile. Aussagekraft und Verwertbarkeit nach "außen" verlangen ein hohes Maß an sich selbst auferlegter Objektivität in der Bewertung betriebsinterner Ausprägungen. Ein Sich-selbst-schön-bewerten bringt nichts, schlägt im Extremfall ins Gegenteil um.

BM - Seine Einordnung im Vergleich zu anderen Rating-Systemen

BM soll einfach sowie gleichzeitig objektiv vergleichbar mit anderen Rating-Systemen sein. Wir bedienen uns aus diesem Grund der 6-stufigen Schulnoten-Klassifikation, wie sie auch von der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD, www.Finanzstandort.de) verwendet wird:

Vergleich zu S&PPD-Bereich (%)IFDBMInterpretation
AAA
AA
A sowie BBB+
bis 0,3I1Starke Finanzkraft, höchste bis gute Leistungsfähigkeit, attraktives und stabiles Geschäftsumfeld, kein bis sehr geringes Ausfallrisiko.
Hohe Zahlungswahrscheinlichkeit.
BBB
BBB-
0,3 bis 0,7II2Gute Finanzkraft und Leistungsfähigkeit, stabiles Geschäftsumfeld, keine bis geringe Risiken.
Gute Deckung von Zins und Tilgung
BB+
BB
0,7 bis 1,5III3Befriedigende Finanzkraft und Bonität. Risikoelemente, die sich negativ aufs Geschäftsumfeld auswirken.
Angemessene Deckung vo Zins und Tilgung
BB-1,5 bis 3IV4Ausreichende Finanzkraft und Bonität, schwache Leistungsfähigkeit mit Problemen, instabiles Geschäftsumfeld.
Mäßige Deckung von Tilgung, erhöhtes bis hohes Ausfallrisiko.
B3 bis 8V5Mangelhafte Finanzkraft. Unternehmen mit hohen Risiken im Geschäftsumfeld. Restrukturierungsbedarf!
Zins und Tilgung ungesichert, da nur geringe Deckung.
CCC
D
ab 9VI6Ungenügende Bonität, hohe Insolvenzgefahr. Sanierungsbedarf!
Nicht vertretbares Ausfallrisiko.

Zusätzlich zu den Ratingnoten werden die maximalen Ausfallwahrscheinlichkeiten ausgewiesen, die letztlich beim Investor Ablehnung oder Zuspruch und in Folge Kosten seines Finanzengagements determinieren.

Die eingängige Ampelfarben-Zuordnung symbolisiert eine grobe Zuordnung des benoteten Unternehmensaspektes und gibt erste "Handlungsempfehlungen":

FarbeSituationHandlungsempfehlung
grüngute LageTrend der künftigen Daten beobachten
gelbRisikobehaftete LageTrend und Veränderungsgeschwindigkeit beobachten
rotProblemlageSofortige Maßnahmen einleiten (Sanierung)

Außerdem werden die Tabellen und Grafiken in ihrer Aussage durch Anzeige des sog. "Investmentgrade", aber auch des schon beschriebenen "Problembereichs" verstärkt.

Jedes Bankensystem hat ihr eigenes Ratingverfahren; definierte Durchgängigkeiten gibt es nicht. Auch hier orientiert sich BM an dem IFD Vergleich zu Bank-Systemen; die gängigsten im Überblick:

PD Bereich (%)IFDBMSparkassenVR-BankenDresdner BankCommerzbankKfW
bis 0,3I11 bis 30+ bis 1d1 bis 51.0 bis 2.4BK1
0,3 bis 0,7II23 bis 61e bis 2a6 bis 72.6 bis 2.8BK2
0,7 bis 1,5III36 bis 82b bis 2c83.0 bis 3.4BK2 bis BK3
1,5 bis 3IV48 bis 102d bis 2e9 u evtl. 103.6 bis 3.8BK4 bis BK5
3 bis 8V510 bis 123a bis 3b10 und 114.0 bis 4.8BK5 bis BK6
ab 8VI612 bis 183c bis 3e12 bis 14ab 5.0BK6

BM - Ein Praxisbeispiel

Wir veranschaulichen Ihnen BM exemplarisch anhand eines Praxisfalles in Ausschnitten. Hierzu einige knappe Vorbemerkungen:

Es handelt sich um ein wachstumsstarkes Unternehmen des Anlagenbaus, dessen limitierender Faktor seit Jahren die Ausstattung mit Eigen- und Fremdkapital war. Der zwischenzeitlich über den Einstieg eines strategischen Partners gewonnene finanzielle Spielraum war innerhalb von 2 Jahren wieder eingeholt. Erschwerend hinzu kam noch der Zusammenbruch eines bedeutenden Abnehmers mit den typischen Folgen.

Das Rating lag stets im nur befriedigenden Mittelfeld, unterhalb des Investmentgrade. Interne Umstrukturierungen sowie die mit externer Beratung eingeworbene Mittel verbessern die Kapitalausstattung und -struktur nunmehr deutlich und zumindest mittelfristig. Vor allem erlangt das Unternehmens erstmals den Investmentgrade und dürfte künftig auch leichter an weitere Mittel kommen.

Die auf den Auszugsseiten (gerundet) dargestellten Zahlen spiegeln dies wider.

Selbstverständlich wirft die intensivere Beschäftigung mit den Daten und Kennzahlen der Planjahre Fragen und weitere Gestaltungsansätze auf.

Einige technische Hinweise:

Das Deckblatt gibt vor allem einen Überblick über den Umfang von BM, zeigt aber auch mehrere Auswahlmöglichkeiten an:

  • Auswahl ausschließlich des quantitativen oder zusätzlich des qualitativen Ratings.

  • Festsetzen der quantitativen Bereichs-Analysen auf ein bestimmtes Wirtschaftsjahr.

  • Gewichtung der quantitativen und qualitativen Ratings beim Gesamtrating.

  • Berücksichtigung von Bilanzkorrekturen und bereinigtem EK statt der bilanziell ausgewiesenen Werte.

Diese Auswahlmenüs ermöglichen es, praktisch per Knopfdruck die Angaben auf den Folgeseiten entsprechend zu berechnen und miteinander zu vergleichen.

Im Übrigen findet die Dateneingabe oder -übernahme vollständig auf drei Excel®-Seiten der Anlage statt: AKTIVA, PASSIVA und GuV-en.

Über bilanztechnisch korrekte Änderungen einzelner Planwerte auf diesen Seiten können die Auswirkungen von Gestaltungsalternativen im Hinblick auf die Bonität simuliert und miteinander verglichen werden.

Die gelb unterlegten Inhalte werden in den beigefügten Seiten veranschaulicht:

Bonitätsmanagement am Beispiel der Muster Anlagenbau GmbH

BM findet Ihr Interesse

Wir freuen uns, wenn BM Ihr Interesse findet. Wir erstellen diese unternehmensinternen Ratings regelmäßig im Rahmen von Finanzierungs- und auch Verkaufsmandaten, um für unseren Mandanten und uns selbst, aber auch für den potentiellen Vertragspartner, eine indikative Bewertung der Bonitätsentwicklung zu erlangen. Manchmal kann diese Bewertung auch in die Empfehlung münden, das auslösende Vorhaben noch etwas hinauszuziehen - sofern möglich -, um geeignete Korrekturen vorzuschalten.

Selbstverständlich erstellen wir gern zusammen mit Ihnen, Ihrem Controller, Ihrem Finanzleiter oder... Ihr unternehmensinternes Analyse- und Ratingsystem. Das Grundraster steht; es bedarf einiger branchen-/unternehmensbezogener Anpassungen und einer begleiteten Einführungs- und Trainingsphase. Letztere bemisst sich sehr stark am Kenntnisstand im Umgang mit MS-Excel®.

Bei Interesse an weitergehenden Informationen geben Sie uns Ihre Kontaktdaten, wir setzen uns mit Ihnen in Verbindung:

Created by Henning Jacobs